
Die Themen im Marketing sind vielfältig. Hier greife ich einerseits Aktuelles aus den Bereichen Marketing und Medien auf. Andererseits bitte ich Menschen vor den Vorhang, denen Marketing auf ihrem Erfolgsweg ein hilfreiches „Tool” war.
In dieser Interview-Serie erzählen Menschen - KünstlerInnen, Kulturschaffende und LeiterInnen von Kulturorganisationen - von ihrem oft steinigen Weg im Kunst- & Kulturbereich. Was waren die Herausforderungen? Was die Höhepunkte? Und welche Empfehlungen können sie aus ihrem Erfolgsweg anderen mitgeben.
Von 11. April bis 9. November 2025 widmet sich in der Ehemaligen Synagoge St. Pölten eine Ausstellung dem Fotografen Kurt Bardos (1914 - letzte Spur Auschwitz 1944) und seiner Familie. Kurt Bardos war der Onkel von Susanne Eiselt-Weltman, der Bruder ihrer Mutter. Er hat als Fotograf in den 1930er-Jahren Fotos im Stil der Neuen Sachlichkeit interpretiert. Sein Schaffen fand im Nazi-Regime ein jähes Ende. Nach der Deportation 1941 nach Theresienstadt verliert sich 1944 seine Spur in Auschwitz. Fünf Fotoalben, ca. 450 Fotos haben auf abenteuerliche Weise ihren Weg zurück in den Familienbesitz gefunden.
Wie sind die Fotografien deines Onkels zurück in eure Familie gekommen?
Wir bezeichnen diese Geschichte als das „Wunder von Brünn“. Diese Episode wurde in unserer Familie immer sehr beiläufig erzählt. 1945, einige Monate nach ihrer Befreiung aus dem KZ, war unsere Mutter in Brünn bei einem Sportfest oder ähnlichem. Da kam ein völlig fremder Mann auf sie zu und fragte auf Tschechisch; „Waren Sie 1938 in der Hohen Tatra? Kennen Sie einen gewissen Kurt Bardos?“ Meine Mutter sagte: “Ja, Das ist mein Bruder.“ Daraufhin erzählte ihr der Mann, dass er Fotoalben von Kurt Bardos besitze und sie von einem der Fotos wiedererkannt hätte. Wir wissen bis heute nicht, wer der Mann war und wie er in den Besitz der Fotos kam. Ab dem Zeitpunkt waren diese Alben ein „Familienschatz“.
Was hat dich und deine Schwester Ruth dazu bewogen, die Fotografien erstmals im Oktober 2022 im Rahmen einer Ausstellung in der VHS Hietzing in Wien zu zeigen?
Das hat eine Vorgeschichte, die 2016 in St. Pölten begonnen hat. St. Pölten und Brünn sind Partnerstädte. Wir lernten 2016 die Historikerin Tana Klementova kennen, die sich mit der Geschichte der mährischen Juden beschäftigt hat. Sie dokumentierte die Transporte, die ab Herbst 1941 von Mähren nach Theresienstadt stattgefunden haben. Bei einem Transport, datiert mit März 1942, finden wir den Namen unseres Halbbruders Viktor Weltman. Es war der Sohn meines Vaters aus erster Ehe, der zum Zeitpunkt der Deportation 8 Monate alt war.
Wir hatten ein kleines Foto von ihm, das vermutlich Kurt Bardos aufgenommen hat. Aus dieser sehr berührenden Begebenheit ist die allererste Ausstellung mit rund 60 Fotografien unseres Onkels 2018 in Brünn entstanden.
Mir war es wichtig, die Fotos auch in Österreich zu zeigen, da Kurt und unsere Familie einen starken Bezug zu Österreich hatten. Für mich war die Frage: Wen interessiert ein Brünner Fotograf in Wien? So bin ich nach langer Recherche und Suche auf den Fotohistoriker Anton Holzer gestoßen, der in der Wiener Zeitung immer wieder über fotohistorische Themen berichtet hat. Er brachte dann im Jänner 2022 eine ganzseitige Reportage in der Wiener Zeitung über Kurt Bardos und ihm damit zu einer ersten Sichtbarkeit in Wien verholfen.
Daraus wieder entstand über den Kontakt zu Robert Streibel, dem Leiter der VHS-Hietzing, die Fotoausstellung 2022 und in Folge daraus der Kontakt zu Dr. Martha Keil, die für den Umbau der Ehemaligen Synagoge in St. Pölten verantwortlich zeichnet und am 10. April 2025 die Ausstellung „Ich bin ein Österreicher!“ Der Fotograf Kurt Bardos (1914 Brünn - 1944 letzte Spur Auschwitz)“ eröffnet.
Die Fotos deines Onkels zeichnen sich durch eine sehr klare Bildsprache, eine reduzierte Sachlichkeit und einen scharfen Blick auf Menschen und Objekte aus. Was empfindest du, wenn du die Fotos ansiehst?
Ich sehe sie als komponierte Kunstwerke. Vor allem die Bilder von Italien (1937). Sie wirken wie ein Filmplakat, das mich mitten ins Geschehen versetzt. Seine behutsame Bildkompositionen erfreuen das Auge und berühren das Herz. Es ist mir so wichtig, sein Leben zu zeigen, denn es ist unglaublich schmerzhaft, nichts über sein Ende zu wissen.
Hast du ein Lieblingsbild?
Ja!! Das Foto mit dem Wasserkrug. Da spüre ich förmlich das Wasser fließen.
Die aktuelle Ausstellung in der Ehemaligen Synagoge St. Pölten umfasst nicht nur Fotografien von Kurt Bardos, sondern zeigt auch Videointerviews mit Familienmitgliedern und Objekte aus dem Familienbesitz. Was bedeutet dieser erweiterte Einblick in eure Familiengeschichte für euch?
Das ist eine neue Sichtweise auf das Thema. Zuerst stand Kurt Bardos als Person und seine Werke im Mittelpunkt. Bei der heurigen Ausstellung 2025 geht es um unsere gesamte Familie - meine Mutter, unsere Lebensreise, meinen Neffen, der die Alben jetzt übernehmen wird. Mit dieser Geschichte schlagen wir eine Brücke von einst in die nächsten Generationen.
Es ist eine Familiengeschichte der Hoffnung. Zu zeigen, wie es gelungen ist, dass eine Familie, die den Schmerz der Shoa erlebt hat, trotzdem JA zum Leben sagen konnte und kann. Es geht nicht nur darum, bloß zu überleben, sondern trotz dieser Katastrophe auch in den folgenden Generationen gut, glücklich und fröhlich leben zu können.
Der Verlust von Familie in der Shoa, die Ungewissheit über deren letzten Verbleib, das sind so einschneidende Erlebnisse, die auch euer Leben als Generationen danach massiv geprägt haben. Heuer wird in vielen Feierlichkeiten dem Kriegsende vor 80 Jahren und den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Gibt es Gedanken, die du uns persönlich mitgeben möchtest?
Zwei Tage nach der Eröffnung der Fotoausstellung am 10. April 2025 beginnt das jüdische Pessachfest. Die Erinnerung an den Exodus aus Ägypten und die Zeit der Sklaverei davor.
Als Symbolik nehmen wir eine süße Paste, Charosset, aus Äpfeln, Zimt und Wein und gleichzeitig bitteren Kren zu uns. Es ist eine Metapher des Lebens, das uns immer wieder Süßes und Bitteres beschert. Wir haben die Aufgabe, damit bestmöglich umzugehen.
Und ich möchte diesen Segensspruch mitgeben: Sche chijanu, ve kijemanu, ve higijanu la zman ha zeh - Den Moment segnen. Wir bedanken uns, dass wir diesen Moment erlebt und erreicht haben und existieren. Und dass wir uns des Unterschieds zwischen leben und existieren bewusst sind.
Ich danke denen, die überlebt haben, vor allem meinen Eltern und meiner Großmutter, dass sie uns nicht mit Hass „vergiftet“ haben. Bewahren wir uns die Sensibilität zu erkennen, wo in der Welt die Gefahr ist. Ich hoffe, dass es uns gelingt, nicht allzu blind zu werden und wir mit unserer Familiengeschichte Impulse geben können, positiv auf das Leben zu schauen.
Wechselausstellung 11.04. - 09.11.2025 Ehemalige Synagoge Sankt Pölten
„Ich bin ein Österreicher!“ Der Fotograf Kurt Bardos (1914 Brünn - 1944 letzte Spur Auschwitz)
Was war der ausschlaggebende Impuls Tänzer zu werden?
Der kam von meiner Großmutter. Ich hatte als Kind so viel Energie, bin immer gelaufen. So riet meine Großmutter meiner Mutter: „Bring ihn doch zur Ballettschule, damit er etwas müde wird.“ Ich hab als Kind (9) natürlich nicht verstanden, warum ich da bin. Dann gab es im ersten Jahr ein Vortanzen für eine Ballettaufführung der Nationaloper Bukarest für „Schneewittchen“. Ich war einer der 7 Zwerge, der Schüchterne :-).
Bei der ersten Bühnenprobe habe ich gespürt - hier gehöre ich hin! Der Geruch der Bühne, der Kostüme hat mich so fasziniert. Daraus ist meine Liebe zum Ballett entstanden.
Es folgte eine 8-jährige Ausbildung an der Ballettschule in Bukarest. In der Zeit war ich fast nie zuhause, sondern von früh bis spät in der Schule. Das war mein Zuhause. Nach der Schule habe ich mir dann noch jeden Abend die Aufführungen angesehen und so auch die verschiedenen Choreografien gelernt. Ich glaube für meine Eltern war es nicht einfach. Ich war oft so müde, dass ich manchmal am Tisch eingeschlafen bin. Es war eine intensive Zeit. Ich durfte nicht Fahrrad fahren oder eislaufen, musste aufs Essen achten... Aber ich würde es genauso nochmals machen.
Mit 16 Jahren hat mich dann das rumänische Nationalballett unter Vertrag genommen und mir nach der Matura einen Vertrag als Halbsolisten gegeben.
1999 hat mir ein Freund von einem Vortanzen in London für die Elmhurst Ballet School erzählt. Ich hab den Vertrag bekommen, aber es war sehr schwer für mich, wieder zurück in die Schule zu gehen. Ich bin mit der Allüre als Halbsolist gekommen, bis mich der Lehrer in die Schranken gewiesen hat und mir gesagt hat, wenn ich hierbleiben will, muss ich mein Ego draußen lassen. Das hab ich kapiert und dann sehr viel gelernt.
Ein besonderer Höhepunkt in Wien war, als mich der große Ballett-Star Vladimir Malakov im Jahr 2000 für seine Choreographie zu „Verdi Ballett: Ein Maskenball” besetzt hat, nachdem er mich beim Training gesehen hat. Ich hatte in meiner Laufbahn öfter das große Glück, dass mich Choreografen im Blick hatten.
Wie lange warst du Tänzer?
Ich war bis 2014 Tänzer. Dann musste ich verletzungsbedingt aufhören. Eine Knieverletzung 2003 hat mich zehn Jahre lang im Tanzen eingeschränkt. Eine OP 2013 hat leider nicht die erhoffte Besserung gebracht. So habe ich parallel zu meiner letzten Spielzeit eine Alternative zum Ballett gesucht und in Deutschland ein Fernstudium für Sport & Prävention absolviert. 2014 habe ich dann offiziell meine Tanzkarriere beendet.
Was waren die größten Hürden, schmerzhaftesten Erfahrungen?
Das war nicht einfach. Der Abschied von der Bühne war sehr hart. Ich vermisse es jeden Tag, auf der Bühne zu sein. Ein Jahr lang konnte ich nicht in die Oper gehen, oder meine Tanzfreunde treffen, weil ich's nicht ausgehalten habe. In dieser schwierigen Lebensphase hat mich mein Mann sehr unterstützt.
Anschließend dachte ich, es wäre einfach, einen Trainer-Job in einem exklusiven Fitness-Studio zu finden. Das war es nicht. So musste ich mich 3 Monate beim AMS melden. Das war sehr frustrierend.
Ab 2014 habe ich bei McFit als Gym-Manager gearbeitet. Manager und Führungskraft sein, das war eine neue Erfahrung für mich. Als Künstler bist du etwas Besonderes und das hat man in einem „normalen“ Job einfach nicht mehr. Durch die Ausbildungen hab ich extrem viel gelernt. Es war eine harte Schule, von der ich heute noch profitiere.
Was hat dir auf deinem Weg am meisten geholfen?
Das Vertrauen, dass alles gut wird.
Mein Job als Studioleiter bei McFit hat mich wieder geerdet. Ich hab dort viele Ausbildungen für den Kontakt mit KundInnen, Konfliktmanagement, dgl. gemacht und konnte vielfältige Erfahrungen sammeln. Ich hatte Kontakt mit ganz anderen Menschen, hab Respekt gelernt und mit Kritik konstruktiv umzugehen. Ich bin sehr dankbar für diese harte Schule.
2016 war dann ein Wendepunkt. Ich bekam von DIRECT MIND-Arts, der führenden Agentur in Österreich für Fundraising, das Angebot im Data Management tätig zu sein. Ich konnte anschließend verschiedene Positionen innerhalb der Firma einnehmen, bis 2018 eine eigene Abteilung für KundInnen aus dem Kunst- und Kulturbereich gegründet wurde. Heute berate und unterstütze ich verschiedene KundInnen im Dialogmarketing, bei der Entwicklung von Besuchsprogrammen und im Fundraising.
Du hast am Institut für Kulturkonzepte den Lehrgang Management besucht. Was konntest du dir daraus für deinen künstlerischen Weg mitnehmen?
Ich hab gelernt, auch die kaufmännische Seite zu verstehen (Finanzplanung, Förderungen, Management, …). Das Networking war super mit den TeilnehmerInnen und mit euch DozentInnen. Ich hab sehr viel Unterstützung und Know-how vom Institut für Kulturkonzepte bekommen. Das hat auch mein Standing im Kulturbereich gestärkt.
Was waren deine absoluten Highlights/größten Erfolge?
Wie kam es dazu, dass du diese Aufgabe übernommen hast?
2021 habe ich mich an die Direktion des Wiener Staatsballetts gewandt und ihnen angeboten, ein Fundraisingkonzept zu erstellen. In Folge hat man mich gefragt, ob ich die Leitung des Freundeskreises Wiener Staatsballett (damals noch „Ballettclub“) übernehmen würde. Da ist mir großes Vertrauen entgegengebracht worden.
Ich bin zurück in meiner Welt!
Gemeinsam mit dem Team des Wiener Staatsballetts erstelle ich das vielfältige Veranstaltungsprogramm für unsere Förderinnen und Förderer. Außerdem bemühe ich mich darum, die Vernetzung mit anderen Companies zu forcieren, bin immer im Austausch und auf der Suche nach neuen Impulsen. Ich sehe mich als vertrauensvolles Bindeglied zwischen TänzerInnen und Fördernden FreundInnen, das den Austausch anregt.
Was sind deine 3 wichtigsten Tipps?
Was sind deine nächsten Projekte/Pläne?
Was war der ausschlaggebende Impuls Künstlerin zu werden?
Angefangen hat es bei mir in der Teenagerzeit, wo die Kunst, das Malen eine Art Refugium für den Rückzug war. Ich hab gemerkt wie schön das ist, wie befriedigend und welche Freude es macht. Das ist immer stärker geworden. Da wollte ich weiter machen. Dann kam die Musik dazu. Es waren immer zwei Seelen in meiner Brust.
Ich wollte zuerst meine Stimme ausbilden und mich dann der Malerei widmen.2001 hab ich mich entschlossen, den vollen Fokus auf die Kunst zu legen. Malerei ist für mich ein wichtiges Mittel geworden, Gefühle auszudrücken. Kunst ist meine Art etwas weiterzugeben.
Seit wann bist du als Künstlerin tätig?
Viel zu lange. Seit 1995 wegen dem Musikstudium immer nur nebenbei. Ab 2001 dann professionell mit Ausstellungen, Marketing und dem Verkauf meiner Werke.
Was kennzeichnet deine künstlerische Arbeit? Welche Botschaften möchtest du vermitteln?
Mein Stil hat sich mit den Jahren leicht geändert, zuerst gegenständlich, dann immer mehr abstrakter. Anfangs waren die Werke sehr reduziert, dann wurde es immer dynamischer, schwungvoller. Herbert Brandl hat mich inspiriert.
Kennzeichen meines aktuellen Stils ist, ich markiere meine Acrylarbeiten mit Pastellkreide, setze Akzente. Meine Liebe zur Farbe, zur Gestik spielen da mit. Ich bin gar nicht so leicht zuordnen. Ich liebe einerseits das Zarte, Transparente, aber das ist nicht das, was so typisch ist für mich, sondern mehr das Schwungvolle, Dynamische.
Ich möchte Menschen mit meiner Kunst berühren, sie mit meiner Kunst an ihre Emotionen erinnern und ihnen helfen, diese besser zu spüren. Jedes Bild bekommt einen Titel von mir. Es gibt also auch immer die Botschaft des Titels, die die Menschen ansprechen. Menschen sollen in meinen Bildern das sehen, was sie sehen möchten. Ich versuche auch immer die Jahreszeitenstimmungen der Natur einzufangen, den Rhythmus des Seins. Wir haben ja selbst immer wieder Momente der Leere und der Fülle.
Was waren die größten Hürden, schmerzhaftesten Erfahrungen?
Ich war immer auch nebenberuflich in unterschiedlichen Bereichen tätig. Das verlangsamt natürlich den Erfolg. Da bleibt weniger Raum und Zeit für die Kunst. Auch als Mutter eines damals kleinen Sohnes war die Zeit für die Malerei beschränkt.
Ich habe ein Studium für Jazzgesang. In der Malerei bin ich Autodidaktin. Ich hab mir natürlich die Akademie angesehen, hab gemerkt, das passt nicht zu mir, ich möchte mich in kein System einordnen, sondern meine künstlerische Unabhängigkeit bewahren. Trotzdem nehme ich das fehlende Kunststudium schon immer wieder als „gläserne Decke” wahr.
Die nebenberuflichen Tätigkeiten haben den Fokus oft von der Kunst genommen. Manchmal hab ich auch zu viel gemacht, meine Positionierung aus den Augen verloren. Inzwischen weiß ich, dass es wichtig ist, eine Strategie, einen Plan zu haben. Das Selbstbewusstsein als Künstlerin musste ich mir hart erarbeiten. Es braucht Durchhaltevermögen, seinen eigenen Weg zu gehen. Und... man muss nicht perfekt sein!
Was hat dir auf deinem Weg am meisten geholfen?
Ich bin ein Stehaufmännchen! Nach Rückschlägen bin ich immer wieder aufgestanden und hab weitergemacht.
Die Kooperation mit der Künstlerin Karin Czermak war sehr stärkend. Ab 2021 haben wir gemeinsame Ausstellungen organisiert, als berufstätige Mütter uns gegenseitig unterstützt, Ratschläge gegeben. Unser ähnliches Verständnis für Vermarktung hat dann zur Entwicklung eines gemeinsamen Webshops geführt: Der Artshop feiner Kunst war unser großer Schritt in die eigene digitale Vermarktung.
Der Webshop war 2021 auch die Antwort auf die Pandemie, als alle geplanten Ausstellungen abgesagt wurden. Er ermöglicht uns internationale Sichtbarkeit und eigenen Vertrieb.
Du hast am Institut für Kulturkonzepte den Lehrgang für Kulturmanagement 2016, auch mein Kulturmarketing-Seminar besucht. Was konntest du dir daraus für deinen künstlerischen Weg mitnehmen?
Es war spannend, ein Konzept zu erstellen, zu analysieren und Struktur in mein künstlerisches Projekt zu bringen. Das konnte ich dann auch für meinen Weg als Künstlerin nützen.
Was waren dein absolutes Highlight?
Die Teilnahme an der Kunstmesse Artmuc in München 2023 in Kooperation mit Karin Czermak. Das war sehr spannend und hat uns einen Blick über den Tellerrand ermöglicht. Es hat uns geholfen, uns professioneller aufzustellen. Und wir haben auch gesehen, dass wir zu günstig sind 😊. Jedes verkaufte Bild ist immer wieder ein Highlight. Auch dass mein Angebot Leihbilder für Firmen bereitzustellen gut angenommen wird, freut mich.
Was sind deine 3 wichtigsten Tipps?
1. Nicht überall mitzumachen (Qualität vor Quantität)
2. Einen Plan für die Online-Vermarktung machen (wenige Kanäle statt überall)
3. Professionalität in der Öffentlichkeitsarbeit und im Marketing
4. Bewerbung für Ausstellungen bei Kunstvereinen (Vernetzung) Das ist der Extra-Tipp 😊!
Wie sehr setzt du dich mit KI auseinander?
Bisher hab ich KI nur für Textarbeit und Produkttexte genutzt, zum Ideen sammeln und für die Recherche. Kunst nur mit KI zu generieren, ist für mich „kalt“. Aber ich werde mich weiterhin damit auseinandersetzen ...
Was sind deine nächsten Projekte/Pläne?
Ausstellung „Schwarz macht schlank”
11. - 27.10.24 | Galerie im Turm | Baden bei Wien
Auch geöffnet während der NÖ Tage der offenen Ateliers am 19./20.10.24
Vernissage „Klänge der Stille - 4 Positionen der Kunst”
14.11.24/19 Uhr | Forum Schloss Fischau | Bad Fischau
Links:
Anmeldung ArtNews
Monika Herschberger
Artshop feiner Kunst
Was war der ausschlaggebende Impuls, im Kulturbereich tätig zu werden?
Nach der ersten Karenz ergab sich durch einen Gönner im Jahr 2000 die Möglichkeit, an der Wiener Kunstschule Kunst zu studieren. Im Unterschied zu den Kunstuniversitäten beginnt man dort mit einem Orientierungsjahr, in dem auch eine umfangreiche Mappe entsteht, mit der man sich dann für das Studium in einer bestimmten Werkstätte bewirbt. Ein Ort, der damit auch für Kunstneulinge ohne großes Vertrauen in die eigene Genialität geeignet ist.
Da ich Alleinerziehende ohne familiäre Hilfe war, traute ich mir das ersehnte, aber lange Architekturstudium finanziell nicht zu und blieb an der Kunstschule. In der Werkstatt für Räumliches Gestalten, das von Architekt:innen geleitet wurde, ging es um den erweiterten Raumbegriff. Alles kann ein Raum sein. Gebaut, geschrieben, gedacht. Meine Abschlussarbeit waren skulpturale, maschinengestrickte Mäntel - Deckmäntel, Schutzmäntel, Herrschaftsmäntel, Mänteln des Schweigens.
Seit wann bist du als Künstlerin/im Kulturbereich tätig?
Künstlerin zu werden war zwingend. Es war eine ideale Reaktion auf ein vollkommen unberechenbares Leben, das ich als Kind hatte. Kreativität hat mir das Leben und den Geist gerettet. Sie ist zu meinem Wesen geworden. Seit 2003 bin ich mal mehr und mal weniger intensiv in ganz unterschiedlichen Feldern und Funktionen im Kulturbereich tätig. Eine Zeitlang waren es Ausstellungen eigener Arbeiten oder Lesungen, dann wieder Assistenz, die Mitarbeit in Architekturbüros, diverse Workshopleitungen, das Lieblingsfeld Ausstellungsdesign oder Innenarchitektur im Wohnungsbereich.
Das erste Projekt im öffentlichen Raum führte ich 2003 durch - und bekam als Dank zwei Semester lang die Studiengebühren erlassen. Nach dem zweiten Kind war an Kunst nicht mehr zu denken, da stand der Broterwerb im Vordergrund. Wir waren manifest arm, da ist Kreativität auch sehr gefragt. Seit 2013 arbeite ich im Bezirksmuseum Neubau mit. Dort kann jede:r einbringen, was Freude und Sinn macht. Ich mache hauptsächlich, worauf ich Lust habe. Derzeit erfreut das Schreiben eines Pixi-Buches und die Entwicklung eines Kartensets für Erwachsene mein Herzelein.
Was kennzeichnet deine künstlerische Arbeit bzw. deine Arbeit im Kulturbereich? Welche Botschaften möchtest du vermitteln?
Ich bin daran interessiert, dass auf das Kleine und die Kleinen geschaut wird, auf die Niemands ohne Lobby. Auf die, die keine Zeit oder Kraft haben, das ihnen zustehende Stück vom Kuchen zu fordern. Wenn ich beitragen kann, dass sie einen sichtbaren Platz bekommen, um durchzuatmen, Aussicht zu kriegen oder selbst Projekte zu starten, also wirksam zu werden, bin ich super happy.
Ein Beispiel? Seit 2019 organisiere ich eine Selbsthilfegruppe für Alleinerziehende und einmal im Jahr feiern wir am 28. September den Internationalen Tag Alleinerziehender mitten im öffentlichen Raum. Seit 2023 programmiere ich noch dazu einmal im Monat coole Kulturacts im Rahmen einer Sonntagsmatinée. (mamallein-papallein.com) Es geht um eine Pause und Teilhabe am “normalen” Erwachsenenleben. Also mal drei Stunden ohne Kinder.
Im Bezirksmuseum Neubau setzen wir auf Barrierefreiheit im räumlichen und thematischen Sinne. Wir möchten Zugang schaffen. Wegen der steilen Treppe zum Museum schwärmen wir aus. Eine Ausstellung ist z.B. im Kaufhaus Gerngroß zu sehen, barrierefrei. Oder wir gehen an barrierefreie Orte um zu vermitteln. Und selbstverständlich sprechen wir mehrere Sprachen, manchmal auch Gebärdensprache.
Was waren die größten Hürden, schmerzhaftesten Erfahrungen?
Die schmerzhafteste Erfahrung ist gleichzeitig auch die, die mich unendlich resilient gemacht hat. Es war die Tatsache, dass Zuschreibungen so mächtig sein können, dass sie drohen einen zu zerstören und dass man aus ihnen schlecht und niemals ohne Schmerzen herauskommt. Das klingt so allgemein - und doch passiert es allen von uns in verschiedenen Dimensionen und Bereichen.
Was hast du auf deinem Weg gelernt?
Die Erkenntnis, dass, wenn man um Hilfe bittet, einen Bedarf formuliert, alles viel leichter wird. Einfach ist das aber nicht! Um etwas zu beanspruchen, muss man manchmal den Stolz oder die Erziehung ein bisschen hinter sich lassen. Jede:r hat das Recht auf Förderung, Unterstützung und Hilfe. Spannend ist auch, dass man oft mit Widerstand rechnet, wo gar keiner kommt.
Als Frau mit Frauenleben und dazugehörigen Hürden waren die Aussagen zweier Frauen für mich prägend:
„Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichte hat.”
Gerda Lerner (Historikerin).
„Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen - sie bekommen nichts.”
Simone de Beauvoir (Schriftstellerin)
Du hast am Institut für Kulturkonzepte die Lehrgänge für Kulturvermittlung und Kulturmanagement mit Auszeichnung abgeschlossen. Was konntest du dir daraus für deinen künstlerischen Weg mitnehmen?
Mut. Und Sicherheit in dem, was ich tue. Auf fachlicher Ebene hat mir das Institut für Kulturkonzepte Zugang zu sehr vielen nützlichen Wissenspaketen ermöglicht. Ich habe durch die Seminare einen guten Werkzeugkoffer bekommen, den ich in der Praxis nutzen kann. Außerdem waren die Unterrichtenden allesamt Menschen, mit denen ich gern einmal zusammenarbeiten würde.
Was waren deine größten Erfolge?
Das waren eindeutig die Kinder. Da hab ich viel gelernt. Dass das kleine Bezirksmuseum Neubau im 7. Wiener Bezirk in fünf Jahren ein überparteilicher Ort geworden ist, trotz mächtiger Einmischungsversuche, und dass das Team so groß und divers ist, das zähle ich zu meinen größten Stolzmachern. Wir haben so viele Besucher:innen wie seit den 1990er-Jahren nicht mehr. Wenn man zu uns kommt, dann ist das wie Besuch bekommen im eigenen Wohnzimmer. Ich bin die, die den Raum dafür schafft, öffnet und hält. Als Team erbringen mit der Sammlung, Archivierung und Vermittlung der Bezirksgeschichte auf ganz vielen Ebenen eine beachtliche Gemeinschaftsleistung.
Was sind deine 3 wichtigsten Tipps?
Was sind deine nächsten Pläne?
Der Tag der Wiener Bezirksmuseen am 10. März 2024 ab 10 Uhr, 1070 Stiftgasse 8, an dem auch die Ausstellung “Alleinerziehende zwischen Wunsch und Wirklichkeit” eröffnet wird.
Programm Tag der Wiener Bezirksmuseen
Der Geburtstag des Bezirksmuseums am 19. September 2024 um 19 Uhr mit der Eröffnung der nächsten Jahresausstellung und der Buchpräsentation über die ehemalige Vorstadt St. Ulrich.
Bezirksmuseum Neubau
Veranstaltungen der Wiener Bezirksmuseen
Was war der ausschlaggebende Impuls im Kulturbereich tätig zu werden?
Es waren viele kleine Impulse. Schon als Kind war ich vom Theater fasziniert. Nach der Matura habe ich dann ein Kombi-Studium Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaft gemacht. Damals waren das noch kombinationspflichtige Fächer - zum Glück, denn ich hätte mich nicht für eines entscheiden können.
Beruflich zog es mich klar zum Schreiben - und auch zum Theater, aber weil die Job-Aussichten als Dramaturgin in den 90er-Jahre eher schwierig waren, fiel die Entscheidung, in den Journalismus zu gehen. 2005 habe ich aber festgestellt, dass mir Theater total fehlt. Bei einem Schauspiel-Workshop in Wien lernte ich meinen späteren Mann, den Schauspieler und Regisseur Franz Schiefer, kennen und wir starteten gemeinsame Kultur-Projekte.
Seit wann bist du im Kulturbereich?
Seit 2006. Zuerst als Dramaturgin, Regieassistentin sowie im Bereich Öffentlichkeitsarbeit für die Kulturszene Kottingbrunn, und das SOG Theater. Später auch als Darstellerin, u.a. beim immersiven Theaterensemble NESTERVAL. In der Pandemie nahm dann der bereits seit längerem vorhandene Gedanke, etwas Eigenes zu machen, Gestalt an. Das hat 2021 zur Gründung unserer Theatergruppe KONTER geführt.
Was kennzeichnet deine künstlerische Arbeit? Welche Botschaften möchtest du vermitteln?
Es sind die Geschichten und Gefühle, die ich übers Theater vermitteln kann. Theater kann darüber hinaus eine gesellschaftsrelevante Position einnehmen. Es ist eine ideale Plattform, um Geschichten zu erzählen. Für das Publikum bietet es die Möglichkeit, sich zu fragen: „Was hat das mit mir zu tun?”. Am schönsten ist es, wenn Menschen nach der Aufführung über das Stück diskutieren. Wir möchten mit unserer Theatergruppe KONTER das Publikum anregen, neben der eigenen Sichtweise mal in eine andere hineinzuspüren, quasi über die eigene Blase „hinauszufühlen”.
Was waren die größten Hürden, schmerzhaftesten Erfahrungen?
Eine große Hürde war, eigene kulturelle Projekte zu vermarkten. Das ist viel schwieriger als fremde Projekte zu promoten. Es ist immer eine Gratwanderung in der Selbstvermarktung, sich nicht klein zu machen und trotzdem stolz vom Eigenen zu erzählen.
Die Finanzierung von Theaterprojekten ist immer eine große Herausforderung. Diese erfolgt über Eintritte, Sponsoring und Förderungen. Die Kunst ist es, den Spagat zwischen den Anforderungen der Geldgeber und den Wünschen der BesucherInnen zu schaffen. Das, was dem Publikum gefällt, muss nicht zwingend dem Geschmack der Geldgebenden entsprechen. Allen gerecht zu werden und der eigenen künstlerischen Intention treu zu bleiben, ist sehr fordernd.
Zum Beispiel gilt es derzeit als „cool”, Performances an außergewöhnlichen Orten, wie Fabriken oder in Leerständen, zu machen. Diese Locations haben aber keine geeignete „Theater-Infrastruktur”, d.h. alles muss organisiert und transportiert werden. Das verursacht viel Mehraufwand, der wieder die Produktionskosten in die Höhe treibt, die in Folge finanziert gehören.
Was hat dir auf deinem Weg am meisten geholfen?
Es waren und sind die menschlichen Begegnungen. Sich gegenseitig zu unterstützen, in Austausch mit anderen Menschen zu gehen, Erfahrungen auszutauschen, das hat mich weitergebracht.
Du hast am Institut für Kulturkonzepte 2020/21 den Lehrgang Kulturmanagement, u.a. das Seminar Kulturmarketing, besucht. Was konntest du dir daraus für deinen künstlerischen Weg mitnehmen?
Ich bin mit einer klaren Zielsetzung in den Lehrgang hineingegangen, die Corona-Auszeit zu nutzen, um die Grundlagen für die Gründung meiner eigenen Theatergruppe zu schaffen.
Für meine Selbstvermarktung war der Lehrgang sehr wertvoll. Ich konnte meine Erfahrungen teilen und hab fachlich viel positives Feedback bekommen. Das war eine besondere menschliche Erfahrung.
Was ich mitgenommen habe: Ich habe die Marken-Identität für meine Theatergruppe KONTER entwickelt, eine klare Positionierung und damit das Fundament für den weiteren künstlerischen Weg. Und ich weiß, warum ich eine eigene Theatergruppe leite und warum die Welt diese braucht.
Was waren deine größten Erfolge?
Für unseren neuen Verein 2021 einen passenden Namen und einen optischen Auftritt zu finden und ihm eine unverwechselbare Identität zu geben, die mich auch jetzt, nach drei Jahren, immer noch glücklich macht, weil sie so stimmig ist: Theatergruppe KONTER, Kulturverein zur Förderung von partizipativen Theaterformaten.
Künstlerisch war es 2022 die erste Produktion von KONTER „Hurra, wir leben noch!”, ein Theaterabend basierend auf den Klassikern von Karl Valentin und Liesl Karlstadt, verknüpft mit der Gegenwart. Wir wollten die Corona-Zeit humorvoll reflektieren, ganz ohne Schwermut und Negativität. Auf einmal war die Corona-Hotline NÖ lustig. Das Konzept ist aufgegangen. Menschen konnten nach dieser schwierigen Zeit auch darüber lachen.
Was sind deine 3 wichtigsten Erkenntnisse bzw. Tipps?
Was sind deine nächsten Projekte und Pläne für 2024?
2024 wird ein weiteres Stück von mir das Licht der Welt erblicken: „Love me Tinder!”, das im Mai/Juni im Rahmen des Industrieviertelfestivals 2024 in Kottingbrunn (Kulturszene Kottingbrunn) und Bad Vöslau (HOBiRAUM) uraufgeführt wird. Es ist eine Theater-Performance mit Musik, die einen humorvollen Blick auf die Sichtweise von Liebe und Beziehung im Laufe der letzten Jahrhunderte wirft.
Premiere „Love me Tinder!“: Fr. 24. Mai 2024
Für Herbst 2024 steht ein Zwei-Personen-Stück am Spielplan: „Hallo! Hier schweigt Edgar Wallace!”. Das Publikum erwartet ein kriminalistisches Theater-Kabarett mit meinem Mann Franz Schiefer und mir (HOBiRAUM Bad Vöslau, November 2024). Dabei setzen wir uns auf humorvolle Weise mit den Krimis von Edgar Wallace und seiner Arbeit als Journalist auseinander: Edgar Wallace hatte sich als Journalist nämlich durch das Verbreiten von „Fake News“ einen zweifelhaften Ruf erworben, bevor er als Krimiautor bekannt wurde.
https://www.konter.at
https://www.gerfertz-schiefer.at
Nachbericht „Hurra, wir leben noch!“
In den Agentur#News zeigt die Agentur Wöhrer erfolgreiche KundInnenprojekte von EPU, KMU, Kultur- und Familienbetrieben als Inspiration und als Einladung zur Vernetzung.
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